Danke für die Morgensonne

Es ist mitten in der Nacht, als ich Marwas Stimme höre. Grunzend drehe ich mich zur Uhr: halb 6! Und außerdem noch dunkel! Grunzend drehe ich mich wieder um. Aus ihrem Bett tönt erneut Marwas Stimme, quietschvergnügt brabbelt sie vor sich hin. Ich versuche es zu ignorieren. Solange sie nicht schreit, soll sie doch erzählen! QUIETSCH! Dass sie aber auch so laute Töne produzieren muss. So ein kleines Kind und schon so eine laute Stimme. Das steht doch in keinem Verhältnis.

Jetzt ist auch mein Mann aufgewacht. Ich höre ihn grummeln. In stillem Protest ziehe ich mir das Kissen über den Kopf. Nein, ich hab nichts gehört, ich schlafe! QIETSCH! Erneut dieser alles aufweckende Schrei. Wahrscheinlich hat sie gerade ein Stofftier begrüßt. Da muss sie schon ein bisschen lauter sein, schließlich hat sie ihren Marienkäfer die ganze Nacht nicht gesehen. Ich höre begeistertes Anbeißen der Fühler. Das Grummeln meines Mannes wird ein bisschen lauter. Jetzt wird in voller Lautstärke der Stoffhase begrüst und dessen Ohren untersucht. Ich fühle ein leichtes Schubsen, dass immer drängender wird.

Na gut! Seufzend richte ich mich auf und gehe zum Bett. Ein strahlender Wonneproppen blickt mir entgegen. “Mensch, es ist viel zu früh, schlaf noch ein bisschen weiter”, versuche ich es halbherzig. Ein Blick und ich weiß, alle Hoffnung, noch einmal ins Land der Träume zu reisen ist vergebens. Ich gebe auf, raffe meine Klamotten zusammen, klemme mir mein Kind unter den Arm und marschiere zur Tür, nicht ohne zu dem Haufen Decken zu schielen, unter denen mein Mann gerade wieder einschlummert.

Als ich ins Wohnzimmer gehe fängt es an zu dämmern. Gerade geht die Sonne auf und taucht die Welt in ihr goldenes Licht. Schlagartig ist alle Müdigkeit von mir abgefallen und ich blicke wie verzaubert durch das Fenster auf die Baumwipfel, die zu strahlen scheinen. Ich  schaue zu meiner Tochter, meiner Tochter, die mich mit ihren riesigen Augen voller Liebe ansieht, und ich verliebe mich erneut unsterblich. Danke, mein Schatz.  Danke für die Morgensonne. Danke für diesen schönen Tag.

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2 Responses to Danke für die Morgensonne

  1. Katja says:

    Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich Dir und allen Lesern,

    sicher kann Deinen Bericht nur eine Mama so empfinden und ein kinderloser Mensch greift sich wahrscheinlich an den Kopf, aber ich finde es schön.
    Es ist schön, Gefühle in Worte zu fassen, sich über alltägliches zu freuen und auch einfach mal Danke zu sagen.
    Eine sehr positive Variante für den Alltag und ein tolles Gegenteil zum vielen “Schwarzsehen”, “Jammern” und “den nagativen Alltäglichkeiten”.

    Jetzt sage ich DANKE für einen positiv, schönen Text.

    Genieß Dein Wochenende und sehe weiter die Kleinigkeiten.
    Katja

  2. Hannah says:

    Schön, dass dir Text gefällt. Ich finde auch, je mehr man ins Jammern verfällt und alles ganz schrecklich findet, desto mehr verpasst man die wirklich schönen Dinge im Leben. Es sind gerade die Kleinigkeiten, die das Leben so wunderschön machen. Das tolle an Kindern ist, dass sie uns genau auf diese Dinge aufmerksam machen. Wenn du dich ein bisschen auf sie einlässt, wirst du sehen, dass der Regen nicht nur nasse Schuhe bedeutet, sondern ein unglaublich schönes Ereignis ist – das Prasseln an den Fenstern, das Trommeln auf den Mülltonnen, das schöne Grün, das auf dem Rasen entsteht, die Pfützen, die zum reinspringen einladen, diese unglaubliche Atmosphäre, die es nur an Regentagen gibt…

    Viele Grüße und auch dir ein schönes Wochenende,

    Hannah

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