Bei meiner Recherche zu Blähungen bin ich immer wieder auf das leidige Thema “Verstopfung” gestoßen. Man könnte meinen, nur alte Leute währen davon betroffen, aber nein, selbst die Jüngsten unter uns sind betroffen – auch meine Tochter. Ich muss sagen, ich habe einiges aus diesem Artikel gelernt und hoffe, ihr jetzt besser helfen zu können, genauso wie ich hoffe, auch dir und deinem Kind helfen zu können (was mir meiner Tochter auch gelungen ist, siehe ganz unten).
Ursachen für die Verstopfung können sein: sehr kalkhaltiges Wasser, Flüssigkeitsmangel, falsche Ernährung, aber auch Risse im After, sog. Analfissuren.
Verstopfung macht sich bemerkbar durch Bauchkrämpfe, harten Stuhl, der nur sehr schwer rauskommt, einem harten Bauch, unter Umständen erbrechen sich die Kinder, und, ja, auch Blähungen können durch das ewige Lagern von, ähm, Scheiße entstehen. Man sagt, dass eine Verstopfung erst nach ca. 14 Tagen Verstopfung heißt, weil gerade bei Stillkindern es durchaus üblich ist, mal 10 Tage keinen Stuhl zu haben. Ich bin da aber anderer Meinung. Ich würde sagen, es ist dann Verstopfung, wenn’s Probleme macht und das Baby schwer daran zu schaffen hat – auch wenn der Abstand zwischen den “Klogängen” nur ein paar Tage beträgt. Selbst wenn der Stuhl jeden Tag kommt, und ich rede da aus Erfahrung, kann es echt unangenehm für das Baby werden. Auch wenn dieser Fall nicht unter “Verstopfung” fällt, besteht Handlungsbedarf.
Bekommt dein Baby die Flasche und leidet an Verstopfung, kann es sein, dass das Wasser, mit dem du die Milch anrührst, sehr kalkhaltig ist. In diesem Fall kannst du ausprobieren, auf ein spezielles, für Säuglingsnahrung geeignetes Wasser (steht auf der Flasche) umzusteigen. Außerdem gibt es prebiotische Spezialnahrung (z.B. Aptamil Comfort), die nicht so stopft und den Darm reguliert.
Auch für ältere Kinder sind probiotische Nahrungsmittel, etwa Joghurt und Millchbreie, gut geeignet, um der Verstopfung entgegenzuwirken.
Wie viel trinkt dein Kind? Viel Flüssigkeit ist wichtig, 500 ml kann man einem Baby zusätzlich zum Brei geben, 1000 ml einem Kleinkind.
Ist genug Fett in der Nahrung enthalten? Muttermilch ist von Natur aus sehr fettreich, wird aber auf feste Gemüsekost umgestellt, fehlt das Fett. Deswegen zum Gemüsebrei immer einen TL Öl, z.B. Raps- oder Sesamöl, hinzufügen. Dann “flutscht” es besser!
Bleiben wir bei der Ernährung. Es wird ballaststoffreiche Kost empfohlen. Das bedeutet: Vollkorn, Gemüse, Obst und Trockenobst sind gut, Weißmehl schlecht. Aber Achtung: auf der Seite babyernaehrung.de wird darauf hingewiesen, dass die “so genannte ballaststoffreiche Ernährung für Säuglinge nicht geeignet” ist.
Hast du schon Beikost eingeführt? Ooooooh, da gibt’s einige Fallen! Willkommen im wunderbaren Gewusel von stuhlauflockernd, stuhlfestigend und stuhlregulierend. Einiges, was als Erstlings-Brei empfohlen wird (z.B. Karotte) kann zu einem echt harten Brocken werden. Ich hab ganz unten mal versucht, ein bisschen Ordnung ins Wirrwarr zu bringen.
Um den Darm anzuregen, hilft Bewegung. Z.B. in Form von Massagen. Natürlich hilft die klassische Bauchmassage, z.B. mit Windsalbe. Dazu den Bauch im Uhrzeigersinn, um den Nabel herum, massieren. Das hat den Vorteil, dass gleichzeitig unangenehme Blähungen verabschiedet werden. Zur Windsalbe: Ich hab mir in der Apotheke erklären lassen, dass der Wirkstoff (Kümmel) NUR gegen die Blähungen wirkt. Das mag sein, aber ich denke, dadurch, dass durch den Kümmel und die Massage die Blähungen abgehen, ist auch mehr Platz im Darm, sodass es a) nicht mehr so drückt und sich dein Babys ein wenig entspannen kann (sehr wichtig) und b) der Stuhl nicht mehr aufgehalten wird und der Darm besser arbeiten kann (ist aber nur meine Theorie).
Auch am Steißbein kann man sanft massieren, um dem Darm auf die Sprünge zu helfen.
Auf der Seite babyernaehrung.de finden sich noch zwei weitere Massagetechniken:
1. wird empfohlen, “am äußeren Oberschenkel vom Knie hoch zur Hüfte” zu massieren. Auf der Seite brigitte.de habe ich auch die Erklärung gefunden: Am äußeren Oberschenkel läuft die Dickdarm-Reflexzone entlang!
2. wird eine Fußreflexzonenmassage empfohlen, und zwar “rund um die Ferse, also auf der “Standfläche” beginnend zur Außenkante um die Ferse herum zur Fußsohle”.
Bewegung geht aber auch anders: Babys schön strampeln lassen (massiert auch den Bauch), oder Fahrradfahren in der Luft (können auch ältere Kinder machen. Die können natürlich auch strampeln, aber ich glaube, dazu haben die keine Lust. Sind doch keine Babys mehr!
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Ich persönlich glaube auch, das tragen im Tragetuch/-sitz deinem Baby gut tut, und zwar deshalb, weil es dadurch immer in Bewegung ist und der ganze Körper sanft massiert wird. Sitzt dein Kind aber im Kinderwagen oder zu Hause im Hochstuhl/in der Babywippe, muss es ganz stillsitzen.
Bei akuter Verstopfung, also wenn’s jetzt sofort raus muss, oder es explodiert, gibt es in der Apotheke entweder abführende Zäpfchen oder Mikroklist. Mikroklist wirkt laut Hersteller innerhalb von 5 – 20 min und scheint auch in der Anwendung recht einfach zu (ich hab’s Gott sei dank noch nicht ausprobieren müssen). Abführende Zäpfchen wirken laut Hersteller (hab jetzt mal LAXANS von ratiopharm rausgesucht) innerhalb von 15 – 30 min, sind aber Achtung! Achtung! erst für Kinder ab 6 Jahren geeignet.
babyernaehrung.de empfiehlt, den Mikroklist gleich 3 oder 4 Tage durchzuführen, um den Darm schön zu enleeren: “Dadurch wird die “ausgebeulte” Stelle im Darm (auch Ampulle genannt) wieder in normale “Schlauchform” gebracht. In dieser Ampulle sammelt sich sonst wieder Stuhlgang, trocknet dort aus, wird fest und kann zwei, drei Tage später wieder nur mit Schmerz herausgedrückt werden. Wird der Darm einige Tage nacheinander dank Mikroklist entleert, kommt es nicht mehr zur Eintrocknung des Stuhls in der Ampulle, diese verschwindet also wieder. Die normale Darmbewegung setzt wieder ein, der Stuhlgang wird wieder von alleine kommen.”
Milchzucker wird gerne empfohlen, aber bitte vorsichtig! Gerade in der Muttermilch und in der prebiotischen Babynahrung ist bereits viel Milchzucker enthalten. Zuviel Milchzucker kann zu Blähungen und Durchfall führen!!!
Wie bei Blähungen und vielen, vielen anderen Problemen kann ich jedem zur Homöopathie raten. Aaaaaber: Die klassische Homöopathie behandelt ganze Menschen, keine Symptome! Es wird also eben NICHT ein Mittel gegen Verstopfung gegeben. Es wird ein Mittel für die gesamte Person in all ihren Facetten gegeben. Darin ist/sind natürlich die Verstopfung/Blähungen/… enthalten, und natürlich gibt es für diese Symptome typische Mittelchen, aber welches Mittel letztendlich geeignet ist, wird unter Umständen durch Einzelheiten entschieden, die gar nichts mit der Verstopfung zu tun haben müssen. Bitte geh deshalb zu einem klassischen Homöopathen.
Abklären würde ich auch, wenn’s nicht an der Ernährung liegt, ob vielleicht ein Blockade der Auslöser ist. Hier kann der Osteopath dann für einige Erleichterung sorgen.
So, und jetzt zu der großen Frage: was ist stuhlregierend? auflockernd? festigend? Hier die Antworten:
Stuhlauflockernd und Stuhlfestigend erklären sich, glaube ich, von selbst. Stuhlregulierend bedeutet, dass zu fester Stuhl gelockert wird und zu lockerer Stuhl gefestigt wird.
Hier die große Tabelle der Lebensmittel. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass bei einigen Gemüsesorten mal dies und mal das gesagt wird – auch auf den Gläschen! Ist ein bisschen schwierig. Einig sind sich aber alle bei Karotte und Banane – die sind stopfend! Ansonsten: Schau, wie dein Kind reagiert!
Zuerst: Gemüse.
Stuhlauflockernd (also gut bei Verstopfung) sind: Brokkoli, Blumenkohl, Fenchel, Spinat, Kohlrabi und Zucchini.
Stuhlregulierend sind: Pastinaken und Kürbis (hab ich aber auch schon unter auflockernd gesehen)
Stuhlfestigend (also böse, böse) ist: Karotte
Jetzt: Obst.
Stuhlauflockernd sind: gekochter Apfel (auch Apfelmus), naturtrüber Apfelsaft, Aprikose, Pfirsich, Pflaumen (Achtung: zuviel kann zu Durchfall führen. Auch unangenehm…), Pflaumensaft, getrocknete Feigen, Birne
Stuhlfestigend sind: Banane, getrockneter und geriebener Apfel.
Und dann: Getreidebreie (aus der Holle-Broschüre):
Stuhlauflockernd: Hirsebrei, Dinkelbrei, Griesbrei, 3-Korn-Brei
Stuhlfestigend: Reisschleim, Haferflockenbrei (Holle hat den zu “auflockernd” gezählt, ich hab jetzt aber so oft gelesen, dass Haferflocken festigend sind, dass ich den in die lass-die-Finger-davon-Kategorie geschrieben habe)
Generell vermeiden solltest du Kakao, Schokolade und Weißmehl.
Wer noch mehr weiß, bitte melden!!!
Update: Ich hab also bei meiner Tochter die Ernährung komplett umgestellt, keine Bananen, zeitweise keine Karotten, viele Birnen, immer ein Schuss Öl dabei, Wasser aus der Flasche (das Leitungswasser ist bei uns sehr kalkhaltig). Das einzige, was bei ihr aber für garantiert locker-flockigen Stuhl gesorgt hat, ist: Kohlrabi! Das kann bei deinem Kind natürlich komplett anders sein. Probier einige der oben genannten Tips aus und schau, was sich verändert. Ein Wundermittel gibt es leider nicht…
Noch ein paar Überlegungen zur Beikost: Der Magen vom Baby ist ja (eigentlich) erst mal nur für Muttermilch ausgelegt. Muttermilch ist sehr schnell und leicht verdaulich, der Stuhl dementsprechend flüssig. Da so viele Babys gerade bei der Brei-Einführung Stuhlprobleme bekommen, denke ich, dass viele Babys vielleicht noch gar nicht soweit sind. Zumal einige schon mit 4 Monaten ihren ersten Brei bekommen. Es ist auch nicht unbedingt so, dass die Babys unbedingt Beikost brauchen, weil sie sonst nicht satt werden würden – ich spreche jetzt zwar nur von meiner Tochter, aber ich habe sie 6 Monate voll gestillt, und sie ist, nun ja, PROPER. Bitte bedenke, dass mit 4 Monaten viele Babys einen riesigen Wachstumsschub haben, und es normal ist, dass sie kaum satt zu kriegen sind. Leg dein Baby einfach öfter an, deine Milchproduktion passt sich seinen Bedürfnissen an!
Ich habe oben nur die einzelnen Gemüsesorten aufgelistet. In Kombination verändert sich die Wirkung. Wenn du Gläschen benutzt, schau genau hin, da steht immer drauf, ob die Mahlzeit stopfend oder lockernd ist. Damit du’s ein bisschen einfacher hast und nicht jedes Glas im Regal umdrehen musst: Hier geht’s zu den Online-Broschüren/-Seiten von Hipp, Alete, Babydream, Bebivita, Holle-Gemüsegläschen, Holle-Babybrei und Alnatura.
Fehlt was? Hast du Anmerkungen? Was hat bei deinem Baby/Kind geholfen? Schreib einen Kommentar und hilf uns allen weiter!
Fotos:
Durst: © Claudia Hautumm / pixelio.de
Fuß: © Peter Michael Eitel Schaal /pixelio.de
Fütterung: © federico stevanin / FreeDigitalPhotos.net




