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Nachdem ich mich im letzten Post vor allem aufgeregt habe, möchte ich in diesem eine echte Alternative zum allgemein gängigen Babybrei aufzeigen. Es ist eine relativ neue Methode, die auf einem Artikel von Gill Rapley basiert. Oder was heißt neuartig. Ich bin mir sicher, dass es unzählige Eltern gibt, die ihrem Kind so das Essen beigebracht haben, ohne überhaupt zu wissen, dass es eine Methode ist, die auch einen Namen trägt…

Im Prinzip ist Baby-led weaning nichts anderes, als das du dein Baby selbst essen lässt, ohne Brei, ohne kleine, zurechtgeschnittene Stückchen, ohne Löffel. Und zwar von Anfang an. Das es dabei nicht darum geht, möglichst schnell abzustillen, sollte klar sein. Das Essen ist ein Abenteuer für das Baby, das mit allen Sinnen (im wahrsten Sinne des Wortes) entdeckt werden will. Es geht dabei auch nicht darum, gleich ganze Milchmahlzeiten zu ersetzen. Festes Essen ist zunächst einmal nur eine Ergänzung zur Milch, eine Erweiterung des Speiseplans sozusagen. Alles wichtige bekommt dein Baby weiterhin durch die Muttermilch. Dass das nährstoffmäßig kein Problem ist, habe ich bereits im letzten Beitrag geschrieben. Nach und nach wird dein Baby von allein immer mehr festes essen, und von ganz allein die Milchmahlzeiten auslassen. Für Ungeduldige und Sauberkeitsfanatiker ist das natürlich nichts. Erstens dauert es wirklich lange (Gill Rapley spricht von mindestens 6 Monaten bis mehreren Jahren, bis zum endgültigen Abstillen), und zweitens ist rumgematsche vorprogrammiert – dein Baby isst schließlich selbst und mit nichts weiter als den Händen, da kann schon mal was danebengehen…

Das praktische daran liegt auf der Hand: Kein Extra-Brei-gekoche/-aufgewärme, dein Baby isst, was auch du isst. Kein spezieller Speiseplan, wann dein Baby was zu essen hat. Dein Baby sitzt mit am Tisch (bzw. auf deinem Schoß) und isst, wenn du isst. Dein Kind lernt, die verschiedenen Gemüsesorten zu unterscheiden, es lernt, wie sich ein Brokkoli wirklich anfühlt, und schmeckt, im Vergleich zu einer Banane. Es lernt von Anfang an, richtig zu kauen und zu schlucken. Die Erfahrung zeigt, dass diese Kinder in der Regel später kein Problem mit essen haben (Kind, iss deinen Teller leer!), und auch kein Problem mit Gemüse (iih, bäh, Gemüse). Es nimmt von Anfang an an den gemeinsamen Mahlzeiten teil (was ja immer als wichtig bezeichnet wird), ohne ausgegrenzt zu sein und eine Extra-Wurst zu erhalten. Es ist wirklich absolut zwanglos, die wirklich wichtigen Nährstoffe bekommt dein Kind immer noch durch die Muttermilch, es ist auch meist kein zusätzliches Wasser/Tee nötig, weil die Milch ja doch recht viel Flüssigkeit enthält (es sei denn, dein Kind  bekommt Fertigmilch). Und nicht zuletzt wird sichergestellt, dass dein Baby genau so viel isst und genau zu der richtigen Zeit, wie es das gerade braucht, was natürlich Verdauungsproblemen netterweise entgegen wirkt. Keine Angst, es wird nicht ewig  an deiner Brust hängen, schon gar nicht bis ins Schulalter hinein! Kinder sind von Natur aus wissbegierig und wenn du ihnen die Zeit gibst, die sie brauchen, wirst du sehen, dass sie plötzlich, unter Umständen von einem Tag auf den anderen, bereit sind, Dinge zu tun, die vorher nie denkbar gewesen wären!

So geht’s:

Du nimmst entweder Obst, das brauchst du in der Regel nicht vorher zu kochen, oder du nimmst Gemüse. Wenn es zu hart ist, dann kochst du es ein bisschen, am besten du nimmst das, was du sowieso gerade für euch zum Essen kochst (einfach vor dem Würzen ein bisschen was abfangen). Es sollte nicht zu klein sein, soadass dein Baby es gut halten kann. Bei manchen Sorten empfiehlt es sich, einen Griff dranzulassen (etwa bei Banane oder Brokkoli). Bedenke auch, dass dein Baby wahrscheinlich noch nicht in der Lage ist, sein Hand zu öffnen, um den Inhalt zu essen!

Sorge dafür, dass es kein Problem ist, rumzuwutzen. Sprich, zieh deinem Baby entweder Sachen an, die schmutzig werden dürfen, oder ein sehr großes Lätzchen (im Sommer auch gerne gar nichts). Besorg die einen Duschvorhang und leg ihn unter den Stuhl, dass runtergefallenes Essen erstens wiederbenutzt werden kann und zweitens den Teppich nicht versaut!

Halte dein Kind immer aufrecht! So ist verschlucken kein Problem, das Essen kann leicht wieder rausgehustet werden. Überhaupt: Keine Angst vor verschlucken! Es ist absolut normal, dass mal was falsch liegt, dein Baby wird damit gut fertig. Marwa verschluckt sich auch öfter mal. Oder was heißt verschlucken. Ab und zu hustet sie ein etwas zu großes Stückchen nach vorne, und wenn’s nicht gleich funktioniert, klopf ich ihr einmal auf den Rücken und alles ist wieder in Ordnung. An Brei und Milch können sie sich schließlich auch verschlucken. Sogar noch eher als wenn sie selbst essen! Das Saugen bzw vom-Löffel-lutschen verleitet dazu, das Essen gleich nach hinten zu bringen, ohne vorher gekaut zu haben. Mit der Zeit werden sie besser, und auch das rumgewutze nimmt ab!

Lass dein Kind mit Essen niemals allein! Eben weil es doch sein kann, dass sie sich mal verschlucken ist es besser, in der Nähe zu sein.

Ganz wichtig: Hab Spass! Es unglaublich toll zu sehen, wie es deinem Kind schmeckt, wie es das Essen untersucht, und einem ein strahlendes Lächeln schenkt, bevor es wie wild seine Zähne (falls es schon welche hat, geht auch ohne!) reinhaut (ok, das ist jetzt meine Tochter… 😉 ) Und ich muss sagen, es erfüllt mich jedes mal auch mit einem gewissen Stolz.

Wo wir bei Spass sind: Sei gelassen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, kein so-musst-du-das-machen-sonst-passiert-was-ganz-schlimmes-und-dein-Kind-wird-nie-erwachsen! Du musst dich auch nicht zwischen Brei und selber essen entscheiden! Ich persönlich gebe meiner Tochter momentan zwei Breimahlzeiten (was aber vor allem daran liegt, dass ich mit dem Brei angefangen habe, bevor ich von BLW wusste) und zwischendrin (besonders dann, wenn ich selbst esse), bekommt sich Gemüse, Obst oder Brot zum selber essen!

Ich hab hier noch einige interessante Links zusammengestellt, inkl. einer ausführlichen Liste von DOs und Don’ts:

Rapleyweaning.com – die offizielle Website. (englisch)

Leitfaden mit Dos und Don’ts. (englisch)

Broschüre mit einem Überblick wie’s geht. (englisch)

Babled-Blog mit Forum und lustigen Bildern. (englisch)

Millicent mag – ein wirklich schöner Blog über Babyled-weaning mit vielen Anregungen. (deutsch)

Unpüriert – auch ein netter Blog. (deutsch)

Baby Led Weaning – noch ein Forum. (englisch)

Breikasper – noch ein Blog. (deutsch)

Baby-led weaners – eine Blog-Community. (englisch)

Das Buch von Tracey Murkett und Gill Rapley (englisch).

Hier ist ein Link zu youtoube mit ganz vielen schönen Videos zum Thema:

http://www.youtube.com/results?search_query=baby-led+weaning&search_type=&aq=f

So, ich hoffe, du bist auf den Geschmack bekommen. Kannst du dir vorstellen, dein Baby zu baby-led-weanen, teilweise oder sogar ganz? Oder machst du’s vielleicht sogar schon? Schreib einen Kommentar und erzähl!

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