Gläschen-Brei vs. Selber-Kochen – pro/contra

© tokamuwi / pixelio

Mit der Beikost-Einführung stehen viele Eltern vor der Entscheidung, mit welchem Brei sie ihren kleinen Wonneproppen denn glücklich machen sollen. Aus dem Gläschen? Lieber selber kochen? Oder wie? Oder was? Ich hab mich jetzt ein bisschen mit den Vor- und Nachteilen beschäftigt und hoffe, auch bei dir ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Brei aus dem Gläschen

Die Vorteile

Der wohl unbestritten größte Vorteil ist, dass es schnell geht. Gläschen auf und rein damit. Muss theoretisch nicht mal warmgemacht werden. Und: die Gläschen sind sehr lange haltbar, man kann sie also auf Vorrat kaufen. Sehr praktisch sind sie deswegen auch auf Reisen oder unterwegs.

Ein weiterer Vorteil der Gläschen, oder zumindest wird damit immer geworben, ist, dass die Lebensmittel sehr schonend gekocht sind und deswegen der beste Garant sind, dass der werte Sprössling auch ein Maximum an Vitaminen und Spurenelementen bekommt.

Leider habe ich nicht wirklich mehr gefunden. Falls dir noch weiterer Vorteil einfällt, der hier dringend erwähnt werden sollte, schreib bitte einen Kommentar!

Nachteile der Gläschen-Breie

Sie sind verdammt teuer. So ein 190g-Gläschen geht los bei 50 cent (die billigsten der billigen Marken) und kann bis weit über 2 Euro hinaus kosten. Nehmen wir mal 1,20 Euro im Schnitt an (ich glaube, dass ist noch recht günstig kalkuliert), nehmen wir 4 Mahlzeiten am Tag an (oft sind es auch 5), dann macht das 4,80 Euro am Tag. Das ist eine ganze Menge für so einen Brei. Das sind grob überschlagen 150 Euro im Monat für das liebe Baby-Essen! Günstig kalkuliert!

Die Zusammensetzung kann nicht selbst bestimmt werden. Wenn du so ein Gläschen kaufst, dann gibt es sehr wenige Ein-Gemüse-Breie, aber sehr, sehr viele sog. Menüs. Wenn du aber merkst, dass dein Baby schlecht auf eine Gemüseart reagiert, und das soll öfter vorkommen, dann hast du es sehr schwer, 1. herauszufinden, was genau in dem Brei jetzt vermieden werden sollte, und 2. Gläschen zu finden, die besser geeignet sind (besonders, wenn es sich um Karotten handelt, die sehr beliebt bei Breien sind).

Überhaupt musst du eigentlich immer genauestens auf die Zutaten achten. Gerade in Breien, auch Getreide-Breien, und Leckereien für die älteren Babys ab 8 Monaten finden sich jede Menge Zucker und andere Zusatzstoffe, die vielleicht für so kleine Kinder noch nicht so unbedingt geeignet sind. Auch wenn’s gut schmeckt.

Es schmeckt anders. Probier mal einen Ein-Gemüse-Brei und vergleiche ihn mit dem gleichen Ein-Gemüse-Brei, aber selbst gekocht. Du wirst einen eklatanten Unterschied feststellen. Deswegen ist auch ein beliebtes Argument gegen den Fertigbrei, dass die Kinder so von klein auf an den Geschmack der Fertigprodukte gewöhnt werden und dem natürlichen Geschmack am Ende nichts mehr abgewinnen können.

Es gibt Brei-Sorten, da muss ich ehrlich gesagt den Kopf schütteln. Spaghetti Bolognese ist so ein Fall. Erstens: Wo sind denn da die Nudeln? Das tolle an den Spaghetti ist doch nicht nur ihr Geschmack, sondern vor allem auch die Form! Und zweitens: Warum muss man einem so kleinen Stöpsel schon Spaghetti Bolognese geben? Der wird auch später noch genug danach verlangen, sodass die meisten Eltern die Hände über den Kopf zusammenschlagen, dass der junge Bursche nichts vernünftiges essen will!

Stiftung Warentest hat 2008 bemängelt, dass in vielen Brei-Sorten mit Fleisch zu wenig Fett und Vitamin C steckt. Vitamin C ist aber unter anderem wichtig für die Eisenaufnahme. Gläschen-Brei sollten also mit einem Tl Rapsöl und einem Schwaps Saft aufgepeppt werden (zum Bericht geht’s hier).

Auch Ökotest hat 2010 einiges an den Fertigbreien zu kritisieren: Es wurde in einigen Produkten, besonders in denen

© M. Großmann / pixelio

mit Karotten, Furan und Benzol gefunden. Furan ist im Tierversuch krebserregend und bildet sich, wenn Lebensmittel sehr stark und sehr lange erhitzt werden. Dieser Fund lässt mich ehrlich gesagt an dem oben gebrachten Argument der schonenden Zubereitung zweifeln. Benzol ist ebenfalls krebserregend (übrigens ein Benzinbestandteil) und bildet sich durch lange Eritzung. Karotten scheinen die Benzolbildung zu verstärken (zum Bericht geht’s hier). Zumindest Nestlé gelobt aber Besserung und sorgt nun dafür, dass das Gemüse dampfgegart und nur kurz erhitzt wird.

Außerdem bemängelt Ökotest den geringen Fleischgehalt in den fleischhaltigen Produkten. Fleisch enthält sehr viel Eisen, der Eisengehalt wiederum ist eines der Hauptargumente für die frühe Beikosteinführung. Die Produkte enthalten zwar die gesetzlich geforderten 8%, nötig währen aber laut Ökotest 12% (hier nachlesen).

Greenpeace hat zur Zeit eine Broschüre über Genmanipulation in der Milchnahrung für Kinder im Umlauf. Es geht dabei um die Fütterung genmanipulierter Pflanzen an die milchspendenden Tiere. Dabei schneiden gerade die großen Hersteller wie Milupa (und nicht Hipp, wie ich zuvor geschrieben hatte) und Nestlé, aber auch Bärenmarke, Schwälbchen und Weihenstephan ganz schlecht ab (Die Broschüre gibt’s auch online). Die Bio-Produkte sind aber durchweg in Ordnung.

Selber-kochen

Vorteile vom Selber-kochen

Du kannst die Zusammensetzung selber bestimmen, und dich damit genau an dem orientieren, was dein Kind gerade braucht. Du kannst Zutaten hinzufügen oder weglassen und genau beobachten, wie dein Kind reagiert. Du kannst bestimmen, was dein Kind zu essen bekommt, und was nicht.

Wenn du auf Nährstoffe achtgeben willst, möchte ich dir empfehlen, nicht nur Bio, sondern Demeter-Gemüse zu benutzen. Demeter ist quasi noch mehr Bio als Bio (was genau, steht hier). Es ist zwar um einiges teurer als herkömmliches Gemüse, aber man merkt den Unterschied schon im Geschmack. Schau mal, wahrscheinlich gibt es auch in deiner Nähe einen Abo-Gemüsekisten-Versand. Ich bekomme jede Woche so eine Kiste, was wirklich sehr praktisch ist.

Die Kinder werden an den Geschmack von richtigem Gemüse gewöhnt und lernen es (hoffentlich) zu schätzen.

Es ist günstiger als Gläschennahrung. Ich glaube, selbst bei Demeter-Gemüse, genau nachgerechnet habe ich allerdings nicht.

Nachteile vom Selber-kochen

Es ist sehr zeitaufwendig. Gerade wenn du ganz auf Brei umgestellt hast, bist du eigentlich nur am Breipürieren. Da helfen nur zwei Sachen: Entweder sehr große Mengen kochen und dann einfrieren, oder vom Erwachsenen-Essen etwas Gemüse vor dem Würzen abfangen und das füttern.

Du musst achtgeben, dass du keine Vitamine zerkochst. Am besten dampfgaren (z.B. in einem Sieb über Wasserdampf). Wenn du im Wasser kochst, schüttest du dieses am Besten nicht weg (einige Vitamine sind wasserlöslich), sondern benutzt es, um den Brei flüssiger zu machen. Aufwärmen natürlich am Besten im Wasserbad.

Du musst aber nicht unbedingt Entweder-Oder machen! Wie wäre es, wenn du zu Hause selbst kochst, und unterwegs ein Gläschen mitnimmst?

So, wie immer gilt: Ergänzungen und Verbesserungen sind herzlich willkommen!

Bitte lies auch hier:

Muss mein Kind mit 6 Monaten unbedingt ganze Mahlzeiten zu sich nehmen?

Baby-led weaning oder wie ein Baby ohne Brei groß werden kann

Die Sache mit der Sauberkeit beim Essen

Share

Ähnliche Artikel:

This entry was posted in Ernährung and tagged , . Bookmark the permalink.

Facebook Kommentare:

5 Responses to Gläschen-Brei vs. Selber-Kochen – pro/contra

  1. Mike Schwede says:

    Hi, schöner Bericht. Ein grosser Fehler hat sich aber eingeschlichen.

    Du erwähnst den Test von Greenpeace. Hier schneiden Hersteller wie Nestlé schlecht ab, aber Hipp nicht. Hast du den Text überhaupt gelesen? ;-) Bereits im Eingangstext schreibt Greenpeace:
    “Darin bewertet Greenpeace die Produkte von Hipp und Humana als führend bei gentechnikFREIER Babymilchnahrung”

    Das solltest du in deinem sonst gelungenen Text korrigieren.

    [Reply]

    Hannah Reply:

    Tatsächlich, du hast Recht! Ich weiß gar nicht, wie ich auf Hipp gekommen bin! Milupa schneidet neben Nestlé besonders schlecht ab. Allerdings haben Hipp und Humana (Humana mehr als Hipp) in der eigentlichen Broschüre (die ganz unten auf der Seite, auf die der Link führt, zu finden ist) viele ‘gelbe’ Punkte. Und ‘gelb’ bedeuteet, dass eine gentechnikfreie Fütterung zwar noch nicht zugesichert werden kann, sie aber angestrebt wird.
    Vielen Dank für den Hinweis, ich hab’s oben verbessert,

    Hannah

    [Reply]

  2. marwa says:

    danke für den artikel – endlich bin ich auch dazu gekommen, meinen “wunsch-beitrag” lesen zu können :-)
    die tante meines mannes ist kinder-intensiv-schwester und selbst mama von drei mädels. da sie immer sehr gesundheitsbewusst kocht (die mädels sind jetzt alle schon aus dem “gröbsten” raus), hatte ich erwartet, dass auch sie selbst gekocht hat. aber falsch gedacht: sie hat mich in meiner meinung gefestigt, ruhig gläschen zu verwenden, weil keine anderen lebensmittel so streng überwacht und kontrolliert werden. wir verwenden hipp und alnatura für die gemüse/fleisch breie und greifen beim obst häufig auch mal auf die günstigeren gläser zurück. gerade hipp und alnatura haben eine große auswahl an mono-gemüse-breien, so dass die heranführung an neue sorten super geklappt hat.
    ich kenne zwar nur die bio-preise aus unseren supermärkten und nicht die von bio-dynamischen produkten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass selbst kochen nach diesen gesichtspunkten finanziell mithalten kann. außerdem muss so schonend zubereitet werden, dass keine vitamine und nährstoffe verloren gehen – und die verantwortung möchte ich gar nicht tragen müssen…
    nichtsdestotrotz wird ja die zeit kommen, wenn man fürs kind mitkochen kann :-)

    [Reply]

    Hannah Reply:

    Ich find’s super, dass du deiner Tochter das beste bieten willst, nur bitte, bitte, achte auf die Zutaten! Und bitte, bitte, schmeiß diesen Grundsatz nicht über Bord, wenn sie 1 Jahr alt ist, indem du ihr all die anderen Fertigprodukte mit tonnenweise Zucker gibst.
    Ich selbst bin ja ein Selber-Kocher, und du hast Recht, es würde sicherlich auch sehr ins Geld gehen, wenn ich Klein-Marwa 4/5-mal am Tag bio-dynamische Breie machen würde. Ich geb ihr ja nur zwei, da fällt’s nicht so auf, und ich muss gestehen, ich hab’s nicht nachgerechnet. Sollte ich vielleicht mal machen.
    Dass die Leute bei Hipp & Co. streng kontrollieren glaub ich auf’s Wort, hab ich auch schon öfter gehört, nur frage ich mich dann: Wie kommt das Furan in den Brei??

    Viele Grüße und guten Appetit,

    Hannah

    [Reply]

    Hannah Reply:

    So, ich hab jetzt mal einen Demeter-Beispielbrei gekocht und gerechnet. Zutaten: Kohlrabi, Karotte und Zucchini, Öl und Wasser. Zucchini deshalb, weil’s vom Preis her dem Fleisch sehr nahe kommt. Allerdings hat sie knapp 30% des Breis ausgemacht, beim Gläschenbrei sind meist nur 8% Fleisch drin.
    Bei mir kostet also dieser Brei ca. 62 Cent pro Portion, ohne Öl, Wasser und Strom. Rechnen wir also 70 cent. Bei 4 Mahlzeiten am Tag wären das ca. 85 Euro. Immerhin gute 60 Euro billiger als der Beispiel-Gläschenbrei. Ich finds aber immernoch sehr teuer, normalerweise würde ich eine Zucchini wegen dem hohen Preis nicht rein tun, und momentan lebt meine Tochter noch vegetarisch. Wer sparen will, kauft nur Bio, nicht Demeter – vom Supermarkt wär’s natürlich noch viel billiger, aber ich möchte wetten, dass da die Qualität doch extremst drunter zu leiden hätte.

    Viele Grüße,

    Hannah

    [Reply]

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

CommentLuv badge