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Warum MUSS mein Baby, möglichst von Geburt an, spätestens aber nach 3 Monaten alleine einschlafen? Warum MUSS mein Baby ab 4 Monaten mindestens 5 Stunden am Stück schlafen? Warum MUSS mein Baby in seinem eigenen Bett schlafen – oder warum MUSS mein Baby unbedingt im Familienbett schlafen? Ja, warum eigentlich? Es sind Babys! Sie sind gerade auf die Welt gekommen! Warum MÜSSEN sie da unbedingt unabhängig sein? Warum dürfen sie uns nicht brauchen? Warum bekomme ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich Bücher oder Zeitschriften lese, in denen groß und breit erklärt wird, was man alles wie genau tun muss, damit mein Baby die ganze Nacht seelig schläft? Und warum wird es so als selbstverständlich angenommen, dass jede Mutter und jeder Vater nur dieses eine Ziel vor Augen hat?

Ich muss gestehen, ich habe mich bereits in meiner Schwangerschaft äußerst kundig gemacht. Ich habe alles gelesen, was ich nur in die Finger bekam, ich wusste über alles Bescheid:

Dass man sein Baby auf keinen Fall die Brust geben soll zum Einschlafen, möglichst auch nicht den Schnuller, weil sonst eine Schlafassoziation entsteht, und die Knirpse nicht mehr ohne können. Dass man sie wach ins Bett legen soll, weil sie dann erstens lernen, alleine im Bett einzuschlafen, und zweitens sie nicht erschrecken, dass sie wo gaz anders aufwachen, als sie eingeschlafen sind. Dass man sie unter keinen Umständen mit ins Bett nehmen darf, weil man sie sonst nie wieder raus kriegt. Und weil sie so erst recht nicht lernen, alleine einzuschlafen. Oder aber,dass man sie auf jeden Fall mit ins Bett nehmen soll, weil sie so viel besser schlafen. „Start as you mean to go on“, schreibt Tracy Hogg in ihrem „Babywhisperer“. Sei konsequent. Wenn du eine schlechte Verhaltensweise ändern willst, musst du drei Tage bis eine Woche absolut konsequent sein, damit sich das Verhalten ändert – und danach natürlich auch. Schaffe Rituale, dann weiß dein Baby schon, was als nächstes kommt, und schläft wie von Zauberhand ein. Schaffe einen festen Tagesablauf. Auf keinen Fall durch die Wohnung schleppen. Mache dies. Mache jenes. Und so klappt es auf jeden Fall.

Tja, und dann kam Marwa. Und sie wollte nicht.

Sie wollte nicht den Ritualen folgen, wie ich sie gelesen habe. Sie wollte nicht alleine einschlafen (außer manchmal). Sie wollte nicht meinem Zeitplan folgen. Sie wollte nicht die ganze Nacht in ihrem eigenen Bett schlafen – aber vor allen Dingen: Sie wollte sich keinen „schlechten“ Verhaltensweisen angewöhnen, von denen sie nie wieder weg kommen würde.

Ich habe sie eine Woche lang komplett in meinem Bett schlafen lassen – danach schlief sie besser in ihrem eigenen als Wochen zuvor. Ich lies sie im Tragetuch schlafen – und sie hatte kein Problem damit, im Bett alleine einzuschlafen. Ich habe sie in den Schlaf geschaukelt – und einige Zeit später hat es ihr gereicht, still in meinem Arm zu liegen.

Das erstaunlichste aber war, dass sie mir beigebracht hat, was ich selbst eigentlich will. Wann immer ich meinte, es müsse jetzt so sein, weil meine Bücher das so sagen, und alle anderen Kinder es ja auch so machten – sie stellte sich quer. Wann immer ich aber etwas machte, weil ich es nun mal jetzt so machte – es klappte. Vielleicht war sie in diesem Moment einfach so weit. Viel eher glaube ich aber, dass ich selbst in diesem Moment so weit war. Ja, ich liebe es, wenn sie in meinem Arm einschläft. Und ja, ich liebe es, wenn sie nachts aufwacht und zu mir ins Bett will. Ich liebe es, wenn sie sich an mich kuschelt. Aber genauso liebe ich es, sie tagsüber in ihr eigenes Bett zu bringen. Sobald ich selbst etwas tue, wie es für mich selbst gerade stimmt, ist alles wunderbar. Nur wenn ich mich selbst belüge und etwas tue, das für mich selbst gerade eigentlich nicht richtig ist bekomme ich Probleme.

Danke, mein Schatz, dass du mir zeigst, wer ich bin.

Fotonachweis: Kraftprotz / pixelio.de

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