Wenn du mich rufst, dann komme ich. Das ist ein Versprechen und ein Grundsatz. Ganz einfache Sache. Da gibt es keine Diskussion. Wenn ich rufe, will ich auch, dass jemand kommt. Wenn ich nach meinem Mann rufe, und er würde mir antworten, er wäre gerade furchtbar beschäftigt, und ich solle lernen, alleine zurecht zu kommen, und überhaupt, meine letzte Mahlzeit liegt ja noch gar nicht so lange zurück, und ich könne somit gar keinen Hunger haben und deswegen gäbe es keinen Grund, warum, er kommen solle, ich glaube, wir hätten eine etwas heftigere Diskussion. Ist doch egal, ob ich Hunger habe oder nicht, ich habe gerufen, ich brauche dich, also komm gefälligst her! Und man beachte, dass ich zwei Beine habe und daher durchaus in der Lage wäre, zu ihm zu gehen. Aber trotzdem. Es gehört sich so. Aus Respekt.
Warum sollte es bei Kindern anders sein? Sind sie erst berechtigt, solche Gefühle zu haben, oder überhaupt ein Recht auf Respekt zu haben, wenn sie volljährig sind? Sind sie vorher verpflichtet, sich wohlwollend unseren Erziehungsmethoden zu beugen? Sollen sie vor Freude hüpfen, weil ihr Rufen nicht beachtet wird und sie in den Genuss einer Erziehung zur Unabhängigkeit kommen? Weil sie sonst nie selbsständig werden würden? Ich bezweifle es.
Wenn ich rufe, dann kommst du. Dieses Wissen gibt Sicherheit. Es gibt die Sicherheit, die man braucht, um die Welt zu erkunden. Weil man weiß, da ist jemand, wenn ich ihn brauche, auf ihn ist Verlass. Wie ein Stützpfeiler. Nur wenn der stabil ist, kann ich hoch hinaus bauen.
Ich möchte nicht verschweigen, dass es Situationen gibt, in denen ein kleiner Stupser durchaus angebracht ist. Auch ich brauche manchmal jemanden, der mich nicht mit meiner Unsicherheit gleich davon kommen lässt. Der mich ein bisschen anschiebt, weil er weiß, dass ich eigentlich bereit wäre und nur einen kleinen Stubs bräuchte, um das Hindernis zu nehmen. Das ist aber etwas anderes. Das hat nichts mit das-muss-jetzt-trainiert-werden-sonst-wird-das-nie-was zu tun. Das hat nichts mit antrainierter oder erzogener Sebstständigkeit zu tun. Es hat etwas damit zu tun, dass mein Stützpfeiler fest ist und ich bereit bin. Und ich weiß, dass wenn es doch schief läuft, jemand da ist, der mir hilft und mich auffängt.
Jemand, der kommt, wenn ich rufe.
Foto: Michael Bührke / pixelio.de
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Warum MUSS mein Baby durchschlafen





Seltsamer Aritkel finde ich.
Also ich finde es komplett in Ordnung, wenn ich meine Frau rufe, und sie mir klar sagt, sie kommt gleich, will nur noch schnell die Seite fertig lesen. Das kann ich akzeptieren.
Warum sollte das bei einem Kind anders sein? Wenn das Kind zu weinen beginnt, ich aber gerade die Hände voller Spülwasser habe, dann kann ich doch dem Kind ruhig mal erklären, dass ich ihn höre nur gerade nicht wegkann, und in ein paar Minuten bei ihm bin. Das wichtige ist, ihm das zu sagen, dann versteht er das schon.
Ein paar Minuten später (wenn überhaupt) bin ich dann da, rede ruhig mit ihm, und versuche rauszufinden, was er hat. Wenn er Hunger hat, dann sage ich meiner Frau bescheid, und er bekommt was zu essen. Wenn er kalte Hände hat, dann sehe ich zu, dass ich es ihm wärmer mache. Und wenn er nass ist, dann wird er gewickelt. Sonst rede ich einfach ruhig mit ihm, und versuche ihn zu beruhigen.
Ich glaube nicht, dass es darum geht, sofort zu springen, wenn der Kleine einen Mucks macht. Man kann seinen Kindern auch Sicherheit geben, wenn man ihnen erklärt, wenn man gerade keine Zeit hat, und sich aber sobald man fertig ist, um sie kümmert. Solange sich jemand um ihm kümmert, wenn er wirklich etwas braucht. Das versteht er. Soviel kann ich meinem Sohn zutrauen.
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Hannah Reply:
May 3rd, 2010 at 9:23 am
Hallo Jan,
kein Problem, ich versuche zu erläutern…
Was ist Zeit? Und was ist gleich? Schwierige, vor allem sehr subjektive Fragen. Bin ich beschäftigt, fliegt die Zeit nur so dahin, warte ich, dauert sie eeeeeeewig. Und für Kinder vergeht die Zeit noch viel langsamer als für Erwachsene. Für uns mögen 5 min sehr kurz sein, für Kinder sind sie lang. Wenn mir mein Mann aus der Küche zuruft, dass er noch schnell fertig spülen muss und gleich bei mir ist, hey, kein Problem, mach ich halt in der Zeit was anderes. Ich weiß, dass er dann auch wirklich kommt. Das ist nämlich die andere Sache. Zusätzlich zu dem Zeitbegriff, der a) erst noch entstehen muss (deswegen können ältere Kinder meist besser und länger warten als jüngere) und b) sehr subjektiv ist, kommt noch die Verlässlichkeit hinzu. Kann ich mich darauf verlassen, dass er sofort kommt, wenn er fertig ist, oder wischt er noch schnell die Spüle ab, und trocknet ab, und setzt noch gaaaaanz schnell Kaffee auf? Gerade Eltern neigen dazu, noch ganz schnell dies, das und jenes zu tun.
Was lernt man da als Kind? 1) Gleich ist nicht gleich, sondern dauert sehr lange, und 2) Ich muss erst tausendmal schreien, bis jemand tatsächlich kommt.
Das bedeutet aber nicht, dass ich in Panik mit nassen Händen rennen muss, nur weil mein Kind ruft. Es bedeutet, dass ich mir die Hände abtrockne und dann in Ruhe mich meinem Kind widme. Sind alle Bedürfnisse befriedigt, spül ich weiter. Und je älter mein Kind wird, desto besser kann es warten, bis ich irgendwann erst fertig spülen kann (wie lange sowas dauert muss man übrigens auch erst mal lernen, einzuschätzen).
War das jetzt besser verständlich?
Viele Grüße,
Hannah
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Ist es nicht wichtig, dass ich letztendlich überhaupt KOMME ? Natürlich sind für ein Baby ein paar Minuten länger als für ein Kleinkind oder für uns. Aber das, was das Urvertrauen herstellt, ist die Tatsache, dass Mama/Papa kommen, wenn ich rufe. und nicht, dass sie SOFORT kommen.
Gerade habe ich mit meinen Eltern geredet und erfahren, dass Schreien damals Programm war. Wir wurden nachts nicht mal gefüttert (anderes thema, auch nicht meine meinung). Aber ich habe dennoch eine sehr gute, intensive Beziehung zu meinen Eltern, habe ihnen immer vertraut, habe gewusst, dass sie für mich da sind. Ich finde, dass der “Schaden”, dem man einem Kind zufügt, wenn man es “weinen lässt”, arg überschätzt wird. Wohlbemerkt rede ich hier vom Weinen und nicht vom Schreien.
Dadurch, dass ich meinem Kind mitteile, dass ich gleich bei ihm bin, lernt es, zu warten. Natürlich versteht ein Säugling nicht, wenn ich sage “Ich bin gleich bei Dir”. Aber es wird es lernen und bevor ich überlege, wann ich damit anfange, ihm das zu vermitteln, fange ich einfach gleich damit an.
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Hannah Reply:
May 3rd, 2010 at 10:01 am
Aber was IST gleich? Wie lange kann ich mein Kind warten lassen, bevor es Zweifel bekommt, ob man überhaupt kommt? Meine Wochenend-Stieftochter wird jetzt 5, und ihre Standard-Antwort auf “Gleich!” ist “Nein, jetzt!”. Auch sie hat eine gute Beziehung zu ihren Eltern und kann sich auf sie verlassen. Doch scheint sie ihre Zweifel zu haben, ob gleich eine kurze Zeit ist und man ohne weiteres nachhaken auch wirklich kommt.
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Ich sag mal aus sehr guter Erfahrung (meine Tochter ist zwanzig):
“Je kleiner desto sofort.”
Was wir vorgeburtlich und im ersten Lebensjahr an Ur-Vertrauen
schaffen, trägt unsere Kinder ein Leben lang. Was könnte wichtiger
sein als dem Ruf, weinen, schreien eines Babys zu folgen ? Eben.
Liebe Grüsse
Petra
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