Tja, Fremdeln, das ist wenn die kleinen Kinder auf einmal nur noch bei Mama sein wollen, und selbst Papa auf einmal ein komplett fremder Mann ist. Zumindest bei manchen. Offiziell fängt das Fremdeln so um den 8. Monat herum an. Es gibt allerdings auch einige Kinder, die schon mit 4 Monaten anfangen. Ich darf da mal, ähem, von meiner eigenen Tochter erzählen.
Marwa hatte die ersten Monate nie ein Problem damit, zu anderen Leuten auf den Schoß zu gehen. In dieser Hinsicht war sie eigentlich recht pflegeleicht. Und dann waren wir wegen der U4 zu Besuch beim Kinderarzt. So ziemlich genau 4 Monate war sie da. Die überaus nette und freundliche Arzthelferin kam also auf uns zu und wollte nur mal eben “Hallo” sagen. Aus der Ferne, versteht sich. Und was macht meine Tochter, die bei der U3 noch ganz gelassen auf dem Arzttisch eingeschlafen ist? Sie fängt an zu schreien. Wie am Spieß.
Von da an war klar: Fremde Leute sollten besser möglichst ganz aus ihrem Blickfeld verschwinden, sollten sie nicht angebrüllt werden wollen. Auch Kinder sollten besser nicht zu nahe kommen, wobei die noch mit einem Warn-Quietschen davon gekommen sind. Auch in unserer eigenen Wohnung ging die Sirene an, sobald ich auch nur in Richtung Tür schielen wollte.
Warum genau Kinder so plötzlich fremdeln, ist nicht so ganz klar. Ich darf mal eltern.de zitieren:
“Die Ursachen sind nicht hundertprozentig geklärt. Einig sind sich die Wissenschaftler aber darin, dass Fremdeln ein wichtiger Punkt in der gesunden Entwicklung. Also weder die Folge mangelnder Pflege oder eines Erziehungsfehlers.
Forscher vergleichen die Fremdel-Panik mit einer Art Systemabsturz im Gehirn: Im ersten Dreivierteljahr seines Lebens hat das Kind mit seinen Eltern bereits eine sehr feine Form der Verständigung entwickelt – eine sinnliche Sprache aus Gesten, Lauten, Mimik, Gerüchen, Berührungen.
Diese Sprache funktioniert aber nur im eingespielten Team. Ein Unbekannter kann sich noch so viel Mühe geben und Mamas Gesten oder Papas Worte imitieren; sein Geruch, seine Stimme, sein Aussehen – all das weicht vom gewohnten Muster ab. Und genau dies können Kinder mit acht Monaten langsam erkennen. Ihr Gehirn meldet: Da passt was nicht zusammen. Aber sie wissen noch nicht im Geringsten, wie sie auf diese neue Erfahrung reagieren sollen.”
Hmmmm. Klar ist auf jedenfall, dass auch mit 4 Monaten ein entscheidender Wachstumsschub stattfindet, mit dem ein riesige Bewusstseinserweiterung einhergeht. Ähnlich dem Wachstumsschub, der mit 3 Wochen stattfindet. Davor ist es häufig so, dass die Neugeborenen praktisch nur schlafen, und mit 3 Wochen plötzlich ein Schalter umgelegt wird, und die Kolikzeit beginnt (die übrigens nicht nur auf Blähungen zurück zu führen ist, sondern auch eben diese Bewusstseinserweiterung als Ursache haben kann). Vielleicht war das Fremdeln bei meiner Tochter auch so eine Art 4- 9 Monats- Kolik? Solange hat es nämlich gedauert. Und mit 9 Monaten kam noch einmal ein Schub. Ich würde sogar behaupten, der bislang größte. Und Marwa fing an, fremde Leute anzustrahlen. Einfach so. Mittlerweile ist sie sogar zum Alleinunterhalter in S- und U-Bahnen avanciert. Wenn sie ein Kind sieht, gibt es kein Halten mehr. Plötzlich kann ich sie alleine im Zimmer lassen, wo sie dann selbstvergessen spielt, während ich die Dinge machen kann, die man als Mutter eben so zu tun hat – z.B. kochen, putzen, aufs Klo gehen…
Jetzt muss ich aber mal sagen, dass Marwa aber auch außergewöhnlich stark und lange gefremdelt hat. Hab jetzt bitte keine Angst. Es gibt tatsächlich auch Kinder, die erst mit 8 Monaten anfangen, und wesentlich schwächer fremdeln. Es gibt sogar Kinder, die fangen gar nicht erst an! Und dann gibt es welche, die entwickeln erst mit 2 – 3 Jahren eine gewisse Scheu! Warte einfach ab, was passiert.
Was ist zu tun, wenn mein Kind fremdelt? Eigentlich gar nichts, außer sich der gegebenen Situation anpassen. Auf gar keinen Fall gegensteuern. So nach dem Motto: “Nun geh schon zu Opa, den kennst du doch!” Oder: “Nun hab dich nicht so.” Oder noch schlimmer: “Ich muss mein Kind an fremde Leute gewöhnen, sonst wird das nie wieder anders!” Das letztere ist nämlich absolut falsch. Es wird anders! Kinder verändern sich ständig. Das gehört zum Leben. Das beste was du machen kannst: Gib deinem Kind das, was es gerade braucht. Wenn es also auf deinen Arm will, mach dir keinen Stress daraus, zu glauben, dass das nicht geht, und dass dein Kind nie wieder runter will, und dass du gar nichts mehr machen kannst. Nimm es auf den Arm und finde Möglichkeiten, wie du trotzdem noch zu dem kommst, was du tun musst oder willst. Z.B. kannst du dir eine Tragehilfe anschaffen. So kannst du deine Sachen machen, während dein Kind ganz nah bei dir ist. Wenn es Probleme gibt, wenn du aus dem Zimmer gehst, finde eine Möglichkeit, wie es auch anders gehen könnte. Ich habe mir eine Wippe angschafft, sodass ich meine Tochter gegebenenfalls ganz einfach reinlegen, und schnell mit ins andere Zimmer nehmen konnte. Sport kannst du auch mit einem fremdelnden Kind machen. Bei manchen ist es vielleicht nicht mehr möglich, Aerobic zu machen. Aber Krafttraining ist durchaus möglich – zur Not eben mit dem Baby als menschliche Hantel… Ansonsten sollte klar sein, dass dies eben eine Zeit ist, in der bestimmte Aktivitäten eben nicht gehen. Also ist es vielleicht momentan nicht möglich, das Kind dem Babysitter zu übergeben und loszuziehen. Richte dich darauf ein und schau, was jetzt wirklich wichtig ist, und was noch ein Weilchen warten kann. Und das Wichtigste: Erkenne die Möglichkeiten, die sich aus einer solchen Situation ergeben. Es ist schließlich eine sehr intensive Zeit, die du mit deinem Kind erleben kannst. So eng zusammen seit ihr vielleicht nie wieder. Genieße es. Es ist nicht unbedingt anstrengend, es kann auch wunderschön sein, sein Kind immer dicht bei sich zu haben!
Foto: © Claudia Hautumm / pixelio.de
Wann hat dein Baby angefangen zu fremdeln? Sehr stark oder fast gar nicht? Wann war’s wieder vorbei? Schreib einen Kommentar und erzähl!
Bitte lies auch hier:





Hallo,
ich erkenne meine Tochter so sehr wieder in diesem Artikel…
Sie hat mit etwa 7 Monaten angefangen zu fremdeln, und es war extrem.
Mama war alles, was sie wollte. Papa? Oma? Freunde? Keine Chance, bei niemandem wollte sie bleiben, selbst, wenn ich in der Nähe war.
Das Zimmer verlassen? Unmöglich. Ohne sie auf Toilette gehen? Noch unmöglicher.
Ich dachte, es würde sich nie ändern. Hat es auch nicht- fast 6 Monate lang.
Danach ging es Stück für Stück aufwärts. Ich konnte für wenige Minuten das Zimmer verlassen, ohne dass direkt die “Sirene” losging. Sie beschäftigte sich mehr und mehr mit Papa, so dass ich zumindest ins Bad mal allein gehen konnte.
Mittlerweile ist sie 15 Monate alt, und ich kann schon mal für eine viertel Stunde fortgehen, ohne dass zu Hause eine kleine Welt zusammenbricht. Fremde und Freunde werden begrüßt, zwar anfangs etwas scheu, aber die Sicherheit kommt nach und nach, und das Geschrei wird immer weniger.
Wie wir das geschafft haben?
So wie im Artikel beschrieben: wir haben eigentlich gar nichts gemacht. Wenn sie zu Mama wollte, durfte sie. Sie brauchte das eben.
Was dazu kommt: seit sie weniger fremdelt, schläft sie besser. DAS nenn ich mal einen echten Fortschritt
LG
Susi
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Hannah Reply:
July 8th, 2010 at 9:34 am
Hallo Susi,
da haben sich unsere Töchter ja ähnlich viel Zeit gelassen. Ich glaube, das Wichtigste als Eltern ist, nicht zu denken, dass die kleinen ja schon soooo lange fremdeln, und dass sie ja mal langsam aufhören sollten. Sobald du das denkst, entsteht für dich, und damit auch für die kleinen ein ernormer Stress. Diese Phase dauert genau so lange, wie sie eben dauert, egal ob man meint, sie sollte ja jetzt mal vorbei sein oder nicht. Die einzige Art und Weise, wie man diese Phase einigermaßen entspannt bewältigen kann, ist genau wie du’s gemacht hast: Sich drauf einstellen und dem Kind die Sicherheit geben, die es jetzt gerade besonders braucht.
Ich wünsch dir ganz viel Spass mit deiner Tochter und erholsame Träume,
Hannah
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Hallo,
meine Tochter ist nun 3 1/2 Monate alt (geb. 17.06.2011) und fremdelt. Vor allem gestern bei Oma und Opa, obwohl sie diese mindestens 2-3 Mal die Woche sieht! Sobald wir das Haus betraten, wurden die Augen riesengroß und der Blick mehr als kritisch. Normalerweise konnte Opa sie direkt zu sich nehmen, mit ihr ins Wohnzimmer gehen und rumalbern – außer gestern. Er hatte sie keine 10 Sekunden auf dem Arm und schon ging es los. Sie schrie, als würde Gott weiß was mit ihr geschehen. Ich nahm sie zu mir und alles war in Ordnung…
Als ich sie vor 2 Tagen mit ihrem Papa alleine ließ, um den nun mal notwendigen Einkauf zu erledigen, bekam ich einen Anruf vom Papa “du musst unbedingt zurückkommen, ich kann sie nicht beruhigen!” … Als ich nach Hause kam, war sie nassgeschwitzt, schnappte hastig nach Luft und war vollkommen fertig mit der Welt. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, was los war… Bis wir halt wie gesagt bei Oma und Opa waren und sich die Situation wiederholte: Opa nahm sie auf den Arm, Mama nicht mehr in Sicht – HILFE!
Bin mal gespannt, wie lange das andauert. Schwierig wird es, wenn ich in ein paar Monaten wieder anfange zu arbeiten und sie dann natürlich in andere Hände gegeben wird… :-/
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Hannah Reply:
October 23rd, 2011 at 1:14 pm
Hey Madeleine,
ich drück dir die Daumen, dass es schnell vorbei geht…
Denk dran, es kann sehr plötzlich gehen, also keine Panik.
Alles Gute,
Hannah
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Hallo Hannah
Bei uns ist ein ähnliches Problem. Unsere Tochter, geb. am 15.8.2011 fremdelt bei allen ausser Mama und Papa.. Egal ob es die Schwiegereltern sind die sie mind einmal wöchentlich sieht, oder Leute die sie nicht so oft sieht.. Im Februar muss ich wieder halbtags arbeiten.. Wie hast du es gemacht? Oder ist es immer noch gleich? Lg
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Hannah Reply:
November 7th, 2011 at 10:51 am
Hallo Sabrina,
deine Tochter ist ja gerade mal fast 3 Monate alt, da ändert sich noch einiges in den nächsten Wochen. Es kann sehr gut sein, dass das bald kein Problem mehr ist.
Auf der anderen Seite darfst du nicht vergessen, dass einmal die Woche für so ein kleines Baby tatsächlich sehr selten ist. Da ist es bei Mama und Papa einfach sicherer.
So oder so würde ich bei der Eingewöhnung darauf achten, dass sie eine gute Beziehung zu der Erzieherin entwickelt, bevor du sie alleine mit ihr lässt. Lass dir Zeit (und plane die auch ein. Manche Kinder brauchen 4 – 6 Wochen, bis sie wirklich eingewöhnt sind!).
Bei meiner Tochter ging das mit 9 Monaten schlagartig vorbei. Aber heute noch geht sie nicht bei jedem auf den Schoß, und Essen nimmt sie von Fremden gar nicht an (was ich beides auch gut finde). Wenn sich der Fremde jedoch Zeit für sie nimmt, fasst sie Vertrauen.
Die Eingewöhnung ging langsam, wie oben erwähnt habe, habe ich sie erst mal eine Beziehung zur Erzieherin entwickeln lassen. Das hat auch gut geklappt, und heute will sie gar nicht mehr weg. Allerdings habe ich sie auch erst mit knapp 2 in die Kita gegeben…
Ich wünsche euch alles Gute,
Hannah
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