Ist das dasselbe wie “sich verständlich ausdrücken”?
Du kannst es so verstehen. Es wird oft so benutzt.
Das führt dann oft zu so genervten Aussagen wie “Warum verstehst du das nicht? Ich hab mich doch klar und deutlich ausgedrückt!”.
Oder: “Ich hab’s ganz klar gesagt, aber es funktioniert immer noch nicht!”
Hm. Ja.
Aber nur, weil klar und verständlich halt doch nicht ein und dasselbe sind.
Rein theoretisch hast du wahrscheinlich etwas gesagt, das sehr einfache Worte enthält, sodass wirklich jeder es verstehen kann. Wahrscheinlich waren sie sogar eindeutig.
Soviel zu den Worten. Zu dem augenscheinlichen. Lass uns mal schauen, was hinter den Worten steckt.
Denn jetzt wird es kompliziert. Hinter den einfachen Worten steckt oft ein verhedderter Mischmasch aus Wünschen, Ängsten, Befürchtungen und Frust.
Nehmen wir als Beispiel etwas simples: Ins Auto einsteigen.
Du hast ganz deutlich und verständlich erklärt, dass du willst, dass dein Kind ins Auto einsteigt. Vielleicht hast du auch noch gesagt warum.
Und dein Kind will nicht.
Lass uns einmal schauen, was in dir vorgeht, während du sagst “Bitte steig ins Auto ein.”
Erst einmal ist da die Hoffnung, dass dein Kind tatsächlich ins Auto einsteigen wird. Diese Hoffnung kann mit der Befürchtung gekoppelt sein, dass es das nicht tun wird, besonders wenn du das schon erlebt hast. Dazu kommt vielleicht die Angst (je nach Kind), dass es einen Aufstand machen wird. Dann kommt dazu die Angst, was andere denken könnten. Vielleicht denken sie, dass dein Kind ungezogen ist, oder dass du dein Kind nicht im Griff hast. Dann kommt vielleicht dazu, dass du dich selbst fertig machst, weil du das nicht besser hinkriegst und du dein Kind nicht besser im Griff hast. Dann kommt vielleicht die Wut dazu, dass dein Kind einfach nicht hören will, und das womöglich absichtlich macht. Und dann kommt vielleicht der Zeitdruck dazu, und die Angst, nicht pünktlich zu sein, und was die Leute sagen oder denken könnten. Und dann kommt der Frust dazu, dass dein Kind jetzt endlich einsteigen soll, weil du wirklich los willst und absolut keine Lust mehr hast, dir die Füße abzufrieren.
Und das alles steckt in dem sehr einfachen, sehr deutlichen, höflich formulierten “Bitte steig ins Auto ein.”
Dein Kind empfängt aber nicht nur die Worte. Es empfängt auch die Nachricht, die unter den Worten liegt. Und die ist alles andere als klar.
Klarheit bekommen bedeutet, das ganze Gewurschtel loszulassen. Und einfach nur ein “Bitte steig ins Auto ein!” zu sagen. Mehr nicht.
Kennst du das? Was fällt dir zu dem Thema ein? Schreib einen Kommentar!
(Übrigens: Wenn du Hilfe brauchst, dieses Kuddelmuddel zu erkennen und loszulassen – das ist mein Job!)
Mein Sohn möchte nie am Tisch sitzenbleiben nachdem er mit dem Essen aufgehört hat. Er sieht ja, dass die Familie ist noch, ich habe ihm mehrmals erklaert, dass man bis zum Ende des Abendessen am Tisch sitzen bleiben soll, er möchte aber trotzdem nicht. Vielleicht habe ich ihm was falsch erklaert, die kleinen haben ja immer Verstaendigungsprobleme mit dem Etikett:)