Warning: A non-numeric value encountered in /home3/nodo/public_html/wp-content/themes/Divi/functions.php on line 5607

Ich habe ziemlich hohe Ansprüche an mich selbst, wenn es um das Muttersein geht. Interessanterweise geht es bei mir nicht so sehr darum, ob ich meine Tochter dazu bringe, möglichst früh lesen und schreiben zu lernen, sie sich perfekt benimmt und immer gut aussieht. Tatsächlich habe ich wesentlich andere Prioritäten als den äußeren Schein.

Mich kümmert nicht, wie früh sie schreiben kann, sondern wie sie schreiben lernt; ob es sie interessiert und Spass hat. Ob es sie stärkt.

Mich kümmert auch nicht, wenn sie frech ist. Mir ist eher wichtig, dass sie Respekt hat. Frech und respektlos sein sind zwei Paar Schuhe.

Und mich kümmert es auch nicht, wie ihre Klamottenzusammenstellung aussieht, weil sie schon immer selbst sehr viel Wert darauf gelegt hat, auch wenn ihr Geschmack nicht unbedingt Mainstream ist. Sie muss glücklich mit ihren Klamotten sein, nicht ich.

Das alles läuft also recht entspannt. Ich habe aber auch einen ganz besonders hohen Anspruch, der nicht immer machbar ist: Ich möchte, dass sich meine Tochter geborgen fühlt.

Das geht, wenn ich sie in den Arm nehme, und auch, wenn wir friedlich etwas zusammen unternehmen.

Das geht nicht, wenn wir uns streiten.

Beim Streit geht es nicht darum, sich Nahe zu stehen und sich lieb zu haben. Im Streit werden Positionen vertreten. Es wird gekämpft. Streit ist ziemlich egoistisch.

Ich kann nicht streiten und gleichzeitig mein Kind in den Arm nehmen. Dafür sind die Energien zu entgegengesetzt. Ich kann nicht streiten und gleichzeitig lieb und nett sein. Ich kann fair sein. Aber trotzdem geht es im Moment des Streits nicht darum, sich zu mögen. Es geht nicht um Verbindung, es geht um Trennung.

Was, nebenbei gesagt, auch der Grund ist, warum viele Menschen Angst vor Streit haben und deswegen lieber zurückstecken – was, wenn der andere mich nicht mehr mag und die Verbindung für immer futsch ist?

Aber zurück zum Thema. Meine Tochter ist fast 6 und ziemlich eigenwillig. Und ich auch. Wir streiten viel.

Was meinen inneren, völlig automatisierten Anspruch, meiner Tochter in jedem Augenblick Geborgenheit zu schenken, völlig über Bord wirft. Ich sündige am laufenden Band.

Und so langsam, ganz heimlich hat sich dieser Gedanke in meinen Kopf geschlichen: Bin ich eine gute Mutter?

Hier ist der Punkt: Die Antwort auf diese Frage hängt komplett davon ab, wie ich eine gute Mutter definiere.

Ich frage mich also nicht, ob ich eine gute Mutter bin, wenn die Wohnung nicht wie geleckt sauber ist. Das ist nicht mein Anspruch und nicht meine Definition.

Ich frage mich, ob ich eine gute Mutter bin, wenn ich mein Kind anschreie. Weil das nicht meinem inneren Bild einer guten Mutter entspricht.

Wenn Anspruch und Realität nicht zusammenpassen, ist es Zeit, den Anspruch zu überprüfen.

Für mich heißt das: Fakt ist, ich kann meine Tochter nicht in jeder Minute geborgen fühlen lassen. 1. ist sie ein eigener Mensch. Ich kann sich nicht auf Knopfdruck Dinge fühlen lassen. 2. will sie sich gar nicht immer geborgen fühlen. Wenn ich einen auf Helikopter-Mum mache, findet sie das eher nervig. 3. sind Streitereien unvermeidlich. Sicher, man kann an dem Wie arbeiten. Aber dennoch haben wir Meinungsverschiedenheiten, die zu einem momentanen Gefühl der Trennung führen. Und es wird immer mal wieder hoch hergehen. Und 4. führen momentane Trennungen und Streitereien zu etwas ganz erstaunlichem: Die Beziehung wird lebendig. Und die Nähe gesünder und größer.

Ich sage nicht, dass mein innerer Anspruch, diese nagende Stimme, damit ganz ausgeschaltet ist. Aber manchmal hilft es, aus dem Mikrokosmos einer einzelnen Situation und der Subjektivität herauszutreten und das ganze einmal in größeren Dimensionen und von außen zu betrachten.

Wie geht es dir? Was ist dein innerer Anspruch und wo wirst du ihm nicht gerecht? Schreib einen Kommentar!

Image courtesy of Jennifer Allison at FreeDigitalPhotos.net

Share This