Soforthilfe bei Wutausbrüchen

Wenn jemand wütend ist, so richtig wütend, dann stauen sich eine Menge Gefühle an. Und diese Gefühle wollen raus. Bei uns Erwachsenen äußert sich das vor allem in der Sprache: Wir schimpfen was das Zeug hält und sagen des öfteren relativ unkluge Sachen, die nicht aus der Objektivität der Vernunft geboren wurden, sondern die aus einem Gefühl heraus stammen. Und dieses Gefühl sagt uns, dass Unrecht begangen wurden. Wir schimpfen also, um klar zu machen, dass für uns etwas nicht in Ordnung ist. Wenn du dir ein Kind anschaust, dann wirst du feststellen, dass es zwar auch schimpft, aber nicht so wie wir ,Großen‘. Besonders kleine Kinder können oft nicht einmal benennen, was eigentlich das große Unrecht war, geschweige denn das sie das Vokabular hätten, um sich Luft zu machen. Sie schreien und weinen. Und werden körperlich aktiv. Gefühle sind eine körperliche Sache (übrigens auch bei Erwachsenen, nur haben wir gelernt, sie zu verkopfen. Ob das gut ist oder nicht, sei jetzt mal dahingestellt). Insbesondere Wut versetzt den ganzen Körper in Aktion. Kinder hauen, schreien und machen kaputt. Was also tun? Ich würde generell immer vorschlagen, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben, wenn es gerade keine Gefühlswallungen erlebt. Während dem Wutanfall ist es dazu nicht in der Lage! Wie fühlst du dich? Was ist da gerade passiert? Was macht dein Körper wenn du wütend bist? Was brauchst du, wenn du wütend bist? So lernt dein Kind sich selbst zu beobachten und zusätzlich von außen wahrzunehmen, um im Ernstfall nicht komplett die Kontrolle zu verlieren und weder sich noch andere zu verletzen. Wenn es aber denn mal soweit ist:...

Selbstbewusstsein und Monster High

Meine Tochter – fasst 6 Jahre alt – spielt gerne mit Puppen. Vor allem mit neuen Puppen. Und weil das so ist, überlege ich mir sehr, ob ich sie in einen Laden mit Spielzeugabteilung mitnehme. Was nicht immer vermeidbar ist. Also kann ich folgende Geschichte erzählen: Eigentlich wollten wir ein Geburtstagsgeschenk für einen Freund suchen. Aber da waren soooooooo viele NEUE Barbie-Puppen. Die alle herrlich glitzerten und blinkten, und überhaupt so aussahen, als könnte man ganz großartig mit ihnen spielen. Zunächst war Marwa dennoch recht wählerisch. Schließlich kann sie nicht mit irgendeiner Puppe spielen. Sie muss schon ganz besonders und auf die richtige Art und Weise glitzern. Aber nach dem ich zu einigen Puppen recht eindrucksvoll ‚Nein‘ gesagt hatte, und sie darauf hingewiesen hatte, dass wir eigentlich ein Geburtstagsgeschenk für jemand anderen suchen, dessen Geschmack eher in einem anderen Regal seine Repräsentation findet, wurde sie in ihrer Not recht wahllos. Was wenig nutzte. Bis sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf das Bekommen einer Monster-High-Puppe lenkte. Für diejenigen, die nicht ganz so genau wissen, was es mit einer solchen Puppe auf sich hat: Eine Monster-High-Puppe basiert auf einem Charakter aus der Zeichentrick-Serie ‚Monster High‘ und sieht sehr gewöhnungsbedürftig aus. Sie ist spindeldürr, hat länger-wirkende Beine als Barbie, kurze Arme, die in spinnenartigen Fingern enden, einen Rücken, der so dermaßen im Hohlkreuz ist, dass ich sofort an Rückenschmerzen denken muss, einen riesigen Kopf und meist gaaaaaaaanz viel Farbe. Überall. Ich gewillt, meiner Tochter ein erneutes ‚Nein‘ entgegenzuschmettern, und ihr zu erklären, dass diese Puppe absolut nicht dem Frauenbild entspricht, das ich versuche ihre beizubringen. Eine Puppe, die sämtliche Klischees und Werbe-bäh in...

Ich wünschte, ich hätte das gewusst, als ich noch zur Schule ging

Ich war eine gute Schülerin. Hatte eigentlich, bis auf wenige Momente nie Probleme. Mein Abitur gehörte mit einem Durchschnitt von 1,9 zu den besten (aber noch nicht zuuuu streberhaft. Immer noch menschlich…). Der Grund, warum ich so gut und war, war weil ich ein sehr gutes Gespür dafür hatte, was meine Lehrer hören wollen. Und weil ich ein Talent habe, gut formulieren zu können. Aber Schule war grauenhaft für mich. Denn hier ist der Knackpunkt: Ich habe immer das geschrieben, was Lehrer hören wollen. Manchmal hatte ich Spass daran. Besonders, wenn mich eine Klausur zu neuen Erkenntnissen brachte. Es gab ein paar Lehrer, die zum Nachdenken anregten. Aber meistens habe ich Aufgaben erfüllt. Seelenlos. Ich habe es nie gewagt, die Aufgaben mit meiner Seele zu füllen. Obwohl ich sehr wohl wusste, dass ich Dinge abändern kann. Meine Mutter meinte immer: „Du kannst alles schreiben, du musst es nur gut begründen können.“ Ich habe es nicht gewagt. Ich hätte klar sagen können, was ich wie anders machen will, was ich wie anders einbringen möchte. Aber ich habe es nie getan. Weil ich mich nicht getraut habe. Aber auch, und vor allem, weil ich nicht wusste, was ich wie einbringen will. Nach einiger Zeit des Aufgabenerfüllens, das in gewisser Hinsicht seine Berechtigung hat, stumpft man ab. Man kommt nicht auf die Idee, sein Gehirn einzuschalten, wirklich einzuschalten, und zu überlegen, was man wie eigentlich machen und lernen will, und wie man das dann entsprechend in Unterricht und Klausuren einbringen kann. Was im Übrigen wahrscheinlich für Probleme bei der Bewertung gegeben hätte. Glück für die Lehrer. 😛 Heute sitze ich an meiner...

Was wirklich zählt….

Die Geburt meiner Tochter liegt nun fast 6 Jahre zurück, aber, besonders da ich irgendwann noch ein zweites Kind möchte, beschäftigt mich die Abschaffung der freiberuflichen Hebammen sehr. Lange habe ich das ganze für einen schlechten Scherz gehalten, der sich irgendwann auflösen wird. Aber es sieht nicht danach aus. Daraufhin bin ich sehr wütend geworden. Und verzweifelt. Weil mir dadurch die Entscheidungsfreiheit über meinen eigenen Körper genommen wird. Und das bin ich noch immer. Aber mir wird klar, was für ein schlechtes Bild ich von Krankenhäusern habe. Und ehrlich gesagt ist es doch so: Egal, wo ich mein Kind zur Welt bringe, ich sollte es in einer Atmosphäre voller Sicherheit und Geborgenheit tun dürfen, in der Gewissheit, dass ich und mein Körper ernst genommen werden. Dass, auch wenn manche Dinge (wirklich!) medizinisch notwendig werden, mir trotzdem Respekt entgegengebracht wird. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Egal, wo ich mein Kind zur Welt bringe, ich möchte, dass diejenigen, die mich begleiten, meine Fähigkeit und mein Potential sehen. Ich möchte, dass sie mich als den starken Menschen sehen, der ich bin, und das großartige, was mein Körper zu leisten fähig ist – auch wenn ich vor Schmerzen schreien sollte und auf Hilfe angewiesen bin. Denn gerade dann brauche ich es, dass die mich betreuenden Menschen meine Fähigkeit sehen. Und mir immer das Gefühl geben, Herrin über mich selbst zu sein. Egal, wo ich mein Kind zu Welt bringe. Denn wenn ich das habe, ist es mir im Grunde egal, wie das Haus aussieht, in dem gebäre. Deswegen ist es für mich persönlich sehr wichtig zu wissen: Wer von euch hat sein Kind...

Mein Körper – Meine Entscheidung

Ob ich verhüte oder nicht – meine Entscheidung! Ob ich abtreibe oder nicht – meine Entscheidung! Ob ich mit einem Mann schlafe, mit einer Frau oder beiden – meine Entscheidung! Ob und wie ich Sex habe oder nicht – meine Entscheidung! Ob ich eins, zwei, fünf oder kein Kind habe – meine Entscheidung! Ob ich stille oder nicht – meine Entscheidung! Es ist mein Körper. Ich entscheide, was ich damit tue und wie ich damit umgehe. Ob ich einen Kaiserschnitt wünsche oder eine Spontangeburt – meine Entscheidung! Ob ich eine PDA wünsche oder nicht – meine Entscheidung! Ob ich in ein Krankenhaus, in ein Geburtshaus gehe oder zu Hause bleibe – meine Entscheidung! Ich mache die Arbeit, ich habe die Schmerzen, ich bringe mein Kind auf die Welt. Zu bestimmen, wo und wie ich mein Kind zur Welt bringe, bedeutet Kontrolle über meinen Körper und meine Entscheidungen zu übernehmen. Es steht keinem Politiker, keiner Versicherung und keinem Arzt zu, diese Entscheidungen für mich zu treffen. Mein Körper – meine Entscheidung. Die Hebammen kämpfen um ihre berufliche Zukunft und wir kämpfen um die Kontrolle über unseren...